Biografie

„Was singt mir, die ich höre, in meinem Körper das Lied?“

Roland Barthes

Marei Seuthe legte nach dem Studium an der Musikhochschule und der Universität Köln und einer zusätzlichen Schauspiel-und Gesangsausbildung in Köln und München ihren Schwerpunkt auf klassische Kammermusik, Neue Musik, Musiktheaterprojekte und die freie Improvisation.

 

So gründete sie mit dem Komponisten Ulf Böttcher das improvisierende Kammeropernensemble „Three Fishes Merrying Callas“ und spielte die Uraufführung seines Stückes „Selbstgelb“ für Solocello im Kölner Stadtgarten. Außerdem erarbeitete sie die musikalisch-szenische Konzeption für zwei Tanztheaterstücke der Tänzerin Gerlind O. Schweppe (z.B. beim Festival „Tanz hautnah“, 1998 in Köln, gefördert vom Land NRW). Zusammen mit dem Ensemble „Foliafolie“ gestaltete sie zwei Programme für die Reihe „Nachtmusik im WDR“ (2003 und 2005). Mit diesem Ensemble „erinnert“ sie sich seitdem in verschiedenen improvisierend-„archäologischen“ Remix-Konzerten an das erste „Foliafolie“-Konzert, zuletzt im Januar 2015 im Exploratorium in Berlin. Außerdem entwickelte sie 2007 mit dem Cellistinnenensemble „Cello en Vogue“ ein inszeniertes Konzert über Anna Amalia von Sachsen Weimar. 2010 folgte ein weiteres über Alma Mahler-Werfel.

 

Als Bühnenmusikerin wirkte sie unter der Regie von Katie Mitchell (London) u.a. in der Produktion „Wunschkonzert“ vom Schauspiel Köln mit, die zum Theatertreffen 2009 nach Berlin eingeladen wurde, und trat mit verschiedenen Formationen bei internationalen Festivals auf, so beim Festival Météo in Mulhouse (F), beim „blurred edges“-Festival in Hamburg und beim Beethovenfest Bonn. Sie wurde als guest artist 2002 zum HumaNoise Congress nach Wiesbaden und 2012 und 2014 zum New Directions Cello Festival nach Ithaca, New York eingeladen, wo sie auch mehrere Workshops leitete. Außerdem war sie von 1992 bis 2003 Mitglied im Extrachor der Oper Bonn, wo sie herausragenden Sängern wie Placido Domingo und Johan Botha begegnete und Regisseure wie Dietrich Hilsdorf und Günther Krämer oder einen so inspirierenden Dirigenten wie Jeffrey Tate bei der Arbeit beobachten konnte.

 

Zur Zeit arbeitet sie als Cellistin und Sängerin in mehreren Duo-Formationen an der Schnittstelle zwischen Komposition und Improvisation. Außerdem verwendet sie für ihre Klangexperimente vermehrt die Singende Säge. So mixt sie mit dem Pariser Gitarristen und Elektroniker Phil Reptil Mittelalterliches und Experimentelles mit rockigem Sound und entwickelte mit Dietmar Bonnen in „satiesfactory“ und „Musik in Form einer Birne“ (Max Ernst Museum Brühl, 2013) eine Mischung aus Stücken von Erik Satie, John Cage und eigenen Arrangements und Improvisationen. Seit 2016 tritt sie mit dem Saxophonisten und Komponisten Roger Hanschel in dem Multimediaprojekt „VIN“ auf. Mit der Pianistin Sigrid Sachse gestaltet sie Konzertprogramme, die von der Alten Musik bis in die Moderne reichen und auch eigene Kompositionen und Improvisationen enthalten. Abgesehen von diesen festen Formationen improvisiert und improvisierte sie in Einzelprojekten mit Corinna Eikmeier, Dietmar Fuhr, Reinhard Gagel, Mitch Heinrich, Paul Hubweber, Christoph Irmer, Eberhard Kranemann, Christoph König, Christoph Schiller, Sue Schlotte, Angelika Sheridan, Achim Tang, Georg Wissel, Joachim Zöpf und vielen anderen. Einen wichtigen Stellenwert in ihrem Schaffen nimmt auch die Zusammenarbeit mit dem Künstler Peter Hölscher ein, mit dem sie verschiedene Musik-Projekte zu seinen „Liquid Images“ erarbeitete und dessen Klangskulpturen sie regelmäßig in Konzerten und auf Festivals spielt.

 

Improvisation in großen Ensembles wird für sie immer wichtiger. So ist sie in den letzten Jahren Mitglied in drei internationalen Improvisationsorchestern geworden: dem LIO (London Improvisers Orchestra), dem WIO (Wuppertaler Improvisationsorchester) und dem IMO (Insub Meta Orchestra, Genf). Als Sängerin improvisiert sie im Baseler Vokalensemble „Millefleurs“.

 

Zuletzt wirkte sie im Projekt „Erklärung einiger Dinge“ des irakischen Komponisten Saad Thamir mit, das 2016 zum Festival „vielsaitig“ nach Füssen eingeladen wurde. Auch Marei Seuthe selbst tritt immer mehr mit Kompositionen für sich als Instrumentalistin und für ihre Ensembles hervor, bei denen sie ausnutzt, dass sie gleichzeitig singen und sich dazu auf dem Cello begleiten kann, was eine ungewöhnliche Synchronisation von Stimme und Instrument ermöglicht. So spielte sie 2015 in Basel zum ersten Mal ihre Komposition „MonoDialog“ für mit einem Rundbogen gespieltes Cello und Stimme im Rahmen ihres neuen Soloprogramms. 2012 wurde ihr Stück „Lamento“ mit der „Les Saxosythes-werkstatt“ beim Splash Festival in der Kokerei Zollverein in Essen aufgeführt.

 

Marei Seuthe unterrichtet als Dozentin an der Rheinischen Musikschule der Stadt Köln Cello, Orchester, Improvisation und Theater und führt dort seit mehreren Jahren bei Sprech- und Musiktheaterstücken Regie, wie zum Beispiel bei der Kinderoper „Olivers Abenteuer“ von Markus Stockhausen, die 2010 u.a. in der Kölner Philharmonie und im WDR aufgeführt wurde, oder bei der Oper „Orpheus und Eurydike“ von Chr. W. Gluck, die in einem vom LMR geförderten Mehrgenerationenprojekt realisiert wurde.

 

Sie steht auch selbst in dem szenischen Konzert für Kinder, „Frau Kling Klong, Nofre Tüte und Suse, die singende Säge“, auf der Bühne, das sie zusammen mit Albrecht Maurer und Anna Lindblom im Auftrag der Philharmonie Köln für die Reihe „Philharmonie mini“ entwickelt hat.

 

In Zusammenarbeit mit Dietmar Bonnen entstanden mehrere CD-Produktionen beim Label OBST. Auch der Mitschnitt des WDR-Konzerts „Zapping Wanderer“ mit dem Ensemble „Foliafolie“ ist als CD produziert worden (westpark).